Frau mit Baby beim Stillen
 

Was hilft bei wunden Brustwarzen durch das Stillen?

Alle Tipps auf einen Blick*
 

Als ich selber gestillt habe, hatte ich besonders durch die Saugverwirrung meines Sohnes extrem beanspruchte Brustwarzen. In dieser Zeit bin ich oft verzweifelt und habe alle Tipps gesammelt und Vieles selber ausprobiert. Denn am Anfang stillen 90% aller Mütter, aber nach 2 Monaten sinkt diese Zahl bereits auf 70%, nach 4 Monaten auf ca. 60%.1 Hauptgrund sind Schmerzen durch wunde Brustwarzen die durch das Stillen verursacht werden. 

Um anderen Müttern viel Mühe und Zeit zu ersparen und eine schöne Stillbeziehung ohne Schmerzen auch über längere Zeit zu ermöglichen, sind hier alle* Tipps gesammelt:

 

Zuerst aber noch kurz zur Ursache von wunden Brustwarzen durch das Stillen

1.) Besonders beim ersten Kind ist das Stillen natürlich erst einmal eine ungewohnte Beanspruchung der Brustwarzen. Die Saugkraft eines Babys ist so stark wie 5kg, d.h. schwerer als das Neugeborene selber 2. Besonders wenn am 3. Tag nach der Geburt der Milcheinschuß kommt, ist die Brust besonders empflindlich.
 
2.) Das Anlegen muß erst geübt werden. Oft fehlen Vorbilder in der eigenen Familie und aufgrund einer dünnen Personaldecke ist insbesondere im Krankenhaus kaum Zeit für eine richtige Anleitung.  Da es sich hierbei um das „A und 0“ handelt – also die wichtigste Ursache für wunde Brustwarzen, gibt es weiter unten eine Übersicht, wie richtiges Anlegen geht.
 
3.) Sonderformen der Brustwarzen wie Hohl-und Schlupfwarzen. Diese kommen in 7-10% aller Fälle vor und sind angeboren. Grund dafür sind verkürzte Milchgänge. Das Baby hat es dadurch etwas schwieriger, die Brustwarze zu erfassen. Ihr Frauenarzt und/oder Ihre Hebamme können Ihnen schon vor der Geburt Hilfestellung geben.
 
4.) Krankheiten wie Soor beim Baby und/oder Mutter: Wenn die Brustwarze bzw. die Mundschleimhaut des Babys glänzt, rot ist, juckt und weißliche Beläge hat, dann handelt sich wahrscheinlich um Soor und muß in ärztliche Behandlung (Mutter und Kind, da der Soor ansteckend ist). 
 
5.) verkürztes Zungen-oder Lippenbändchen sowie Gaumenspalte beim Baby: Das verkürzte Zungen-oder Lippenbändchen kommt in 4-10% aller Babys vor 3, die Lippen-/Gaumenspalte haben nur 1 von 500 Babys4. Bitte fragen Sie Ihre Hebamme und/oder Arzt, da hier evt. operativ eingegriffen werden muß.
 
6.) Zahnen des Babys: Nach ca. 3-7 Monaten kommen die ersten Zähnchen des Babys. Bereits bevor die Zähne sichtbar sind, versucht das Baby die Schmerzen des Durchbrechens zu lindern. Das ist aber kein Grund zum Abstillen. Mehr Infos wie Sie mit den ersten Zähnchen umgehen, finden Sie hier.


Was hilft jetzt gegen wunde Brustwarzen bzw. entzündete Brustwarzen? 

 Das „A und O“ einer schönen Stillbeziehung ist das richtige Anlegen des Babys an die Brust.

  1. Lassen Sie sich von einer Stillberaterin/Hebamme / Freundin helfen:

    Haben Sie hier keinen falschen Stolz oder das Über-Mutter-Syndrom, das ich zu Anfang hatte. Das Stillen will gelernt sein und dazu braucht man Lehrer. Sonst beginnt schnell ein Teufelskreis aus gestreßter Mutter = gestreßtem Säugling und dann klappt es erst recht nicht.

  2. Entspannen Sie sich

Die Milch fließt am Besten, wenn Sie entspannt sind. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das besonders schwierig ist, wenn es weh tut. Versuchen Sie trotzdem, sich zu entspannen.  Das funktioniert am besten, wenn das Kind noch nicht vor Hunger brüllt, aber natürlich nicht pappsatt ist. Ich fand die entspannteste Stillposition das seitliche Liegen, später die Wiegehaltung im Sitzen. Achten Sie hierauf, dass Sie nicht 1000 Kissen brauchen, um „bequem“ zu sitzen, das entspannt eher nicht. Manchen hilft auch ein Fußbänkchen. Entspannen Sie besonders Ihre Schultermuskel (einfach kurz kreisen lassen und dann die Schulter "fallen" lassen). Atmen Sie 4x tief bis in den Bauch ein und langsam wieder aus. Achten Sie auch auf Ihre Gedanken – besser ist es, an etwas Schönes zu denken, als daran, dass es evt. gleich wehtun könnte – z.B., wie Sie entspannt auf einer Wiese sitzen und Ihr Baby schmerzfrei stillen. Sie können die gute Landluft riechen, fühlen einen angenehmen Lufthauch auf der Haut und hören die Vögel zwitschern. (hört sich esoterisch an, kann aber helfen ;-). Ein kluger Tipp ist auch am Anfang vor einem Spiegel  zu stillen – dann sehen Sie selbst, ob Sie entspannt sitzen.  Natürlich können Sie auch Ihren Partner oder eine Freundin bitten zu schauen.

  1. Das Baby muß zuerst richtig liegen.
Es gibt verschiedene Stillpositionen (s. Links weiter unten). Wichtig ist hier, dass das Kind zur Brust kommt und nicht umgekehrt (sonst bekommen Sie Verspannungen, besonders im Schulter-/Armmuskel, der dann die Milch „blockiert“).
  1. Der Mund des Babys muß soviel wie möglich von der Brustwarze umfassen.
Das Baby muß nicht nur die Warze selbst, sondern auch einen guten Teil des Warzenhofes umfassen. Oft hatte ich das Gefühl besonders als meine Kinder sehr klein waren, dass ich ihnen die Brust in den Mund „stopfe“ und sie daran ersticken könnten, aber das würden Sie merken ;-).  Wichtig ist, dass Ihr Baby die Brustwarze bis hinter den harten Gaumen bekommt (Sie fühlen den Übergang selbst in Ihrem Mund mit der Zunge, wenn Sie den Gaumen entlang fahren). Ein tolles Video dazu finden Sie hier.
  1. Ihr Baby muß einen Fischmund machen – wie als würde sich ein Fisch an einer Glaswand des Aquariums festsaugen. Die Lippen stülpen sich dabei nach außen (oben und unten).
  2. Beim Ablösen des Babys von der Brust sollten Sie Ihren kleinen Finger nehmen und in den Mundwinkel des Babymundes stecken. Dann löst sich das Saugvakuum.
Hilfreiche Links zum richtigen Anlegen und den Stillpositionen finden Sie bei:

Wenn das richtige Anlegen klappt, helfen diese Tipps gegen wunde Brustwarzen noch weiter, damit Stillen auf Dauer nicht weh tut.

  • Muttermilch und Babyspeichel auf der Brustwarze lassen nach dem Stillen. Sie haben den wundheilenden Effekt von Muttermilch vielleicht schon selber bemerkt, wenn Sie Muttermilch auf kleine Kratzer Ihres Babys oder auf den wunden Popo gegeben haben. Das funktioniert auch an der Brustwarze.
  • Hände waschen vor dem Stillen, damit keine Keime in die bereits wunde Brustwarze kommen können.
  • Stilleinlagen, wenn sie häufig gewechselt werden, damit sich Bakterien nicht im feucht-warmen Milieu ausbreiten können  und ein atmungsaktiver, nicht zu enger BH.
  • Brustwarzenschoner aus Silber. Silber wird seit der Antike benutzt, um Wasser zu desinfizieren oder Wunden zu heilen. Die Brustwarzenschoner, die nach dem Stillen aufgesetzt werden, fördern die feuchte Wundheilung und schützen Ihre Brust vor Reibung. Es sind keine weiteren Crèmes und Lotionen nötig, die den Geschmack der Brust verändern könnten. Sie können mit Stilleinlagen getragen werden. Silverette® Silberhütchen - zum Shop
  • Hochgereinigtes, paraffinfreies Wollwachs/Lanolin (z.B. Lansinoh) nach dem Stillen auftragen. Es unterstützt die feuchte Wundheilung.
  • Der Brust-Donut:  Hiermit wird die trockene Wundheilung gefördert, die z.B. bei Soor hilfreich ist. Eine tolle Anleitung zum Selbermachen finden Sie hier.
  • Stillhütchen aus Silikon während des Stillens: Diese werden oft direkt im Krankenhaus angeboten und lindern erstmal die Schmerzen, aber gehen der Ursache nicht auf den Grund. Zudem gibt es zahlreiche Nachteile (Baby muß stärker saugen, Baby gewöhnt sich an Plastik, Wechsel zurück zu reiner Brust muß wieder gelernt werden etc.), so dass Sie sich das genau überlegen sollten.
  • Brustkompressen (z.B. Multi-Mam).
  • Eine Stillpause mit Flaschenfütterung kann kurzfristig Linderung bei wunden Brustwarzen schaffen. Hierbei sollten Sie darauf achten, dass Sie trotzdem Milch weiterhin abpumpen (am besten mit einer elektrischen Pumpe, die Sie bis zu 2 Jahren nach Geburt in Apotheken kostenlos leihen können, Rezept beim Frauenarzt). Außerdem ist es ratsam, einen Sauger für die Flasche zu besorgen, der nicht zu „einfach“ ist (z.B. Medela calma). Sonst favorisiert Ihr Baby vielleicht die Flasche, weil es einfacher geht, als an der Brust zu saugen. Das Abpumpen ist wichtig, damit Ihre Milchmenge nicht zurück geht und Sie zeitgleich aber auch keinen Milchstau bekommen.
  • Bestrahlen mit Rotlicht
  • Brustwarzen lasern lassen. Macht meist die Hebamme oder ein Krankenhaus ambulant. Zwischen 1-5 Sitzungen à ca. 15 Euro.
  • Mit physiologischer Kochsalzlösung nach dem Stillen die Brust abwaschen soll das Infektionsrisiko vermindern5. Diese erhalten Sie in der Apotheke.
  • Mittel, die nicht so gut um wunde Brustwarzen zu heilen sind:
    • Teebeutel mit schwarzen Bio-Tee kurz ziehen lassen (max. 4 min.), abkühlen und direkt auf die wunde Brustwarze legen. Allerdings trocknet der Tee die Brustwarze aus.
    • Aufgelöster Traubenzucker: er ist nicht steril und kann zu Infektionen führen.
    • Bitte keine Desinfektionsmittel (z.B. Isopropylalkohol) auf die Brust geben – das trocknet die Haut aus und tut auch noch mehr weh.
* wenn Sie noch einen finden, der nicht aufgelistet ist, der Ihnen aber geholfen hat, schreiben Sie mir – alle Mütter in der selben Situation werden Ihnen dankbar sein!
 

(5) Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit, 2013